Augenlinsentypen im Vergleich: Monofokal, EDOF und Multifokal

Autor: Dr. Victor Derhartunian 1 Jänner 2025

Wenn es um die Wahl einer Intraokularlinse (IOL) nach einer Kataraktoperation oder für eine refraktive Linsenaustausch Operation geht, ist ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Linsentypen entscheidend. Jeder Linsentyp bietet spezifische Vor- und Nachteile sowohl für die Nah- als auch für die Fernsicht und kann unterschiedliche optische Nebenwirkungen verursachen. Im Folgenden werden die drei Haupttypen – monofokale, EDOF (Extended Depth of Focus) und multifokale Linsen – detailliert verglichen.

Auf dieser Seite8 Abschnitte
  1. Vergleichstabelle: Monofokale, EDOF und Multifokale Linsen
  2. Monofokale Linsen
  3. EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus)
  4. Multifokale Linsen
  5. Entscheidungsfaktoren für Patienten
  6. Weiterführende Seiten zur Katarakt-Operation
  7. Häufig gestellte Fragen zum Linsenvergleich
  8. Zusammenfassung: Der richtige Weg zur Entscheidung

Vergleichstabelle: Monofokale, EDOF und Multifokale Linsen

Monofokale, EDOF- und Multifokallinsen im Vergleich – Sehqualität, Brillenunabhängigkeit und Einsatzbereiche.
EigenschaftMonofokale LinsenEDOF-LinsenMultifokale Linsen
Sehvermögen
FernsichtAusgezeichnet (wenn für Ferne optimiert)Sehr gutGut
Mittlere DistanzEingeschränktGut bis sehr gutGut
NahsichtEingeschränkt (Lesebrille nötig)Mäßig (oft Lesebrille nötig)Gut bis sehr gut
BrillenunabhängigkeitGering (Brille für mindestens eine Distanz nötig)Mittel (oft Lesebrille für Nahsicht)Hoch (weitgehend brillenfrei)
Optische Qualität
KontrastempfindlichkeitAusgezeichnetGutReduziert
NachtsichtAusgezeichnetGutEingeschränkt
Optische Nebenwirkungen
Halos (Lichthöfe)MinimalMäßigDeutlich
Glare (Blendung)MinimalLeicht bis mäßigStark
DysphotopsienSehr seltenGelegentlichHäufiger
Praktische Aspekte
AnpassungszeitKurz (1-2 Wochen)Mittel (2-4 Wochen)Lang (2-6 Monate)
Kosten bei EyeLaser3.500 € pro Auge3.500 € pro Auge3.500 € pro Auge
Eignung bei AugenerkrankungenHochMittelEingeschränkt
Empfohlen fürPatienten mit Augenerkrankungen; Nachtfahrer; Personen mit hohen Kontrastanforderungen; Patienten, die Brillen nicht ablehnenPatienten mit Wunsch nach erweitertem Sehbereich; PC-Arbeiter; Personen, die gelegentlich eine Lesebrille akzeptierenAktive Personen mit Wunsch nach höchster Brillenunabhängigkeit; Personen mit hoher Toleranz für optische Phänomene

Monofokale Linsen

Vorteile

  • Hervorragende Fernsicht: Monofokale Linsen bieten eine ausgezeichnete Sehschärfe für eine bestimmte Entfernung, in der Regel für die Ferne.
  • Hohe Kontrastempfindlichkeit: Sie liefern das natürlichste und kontrastreichste Sehen unter allen Linsentypen.
  • Weniger Blendungsempfindlichkeit: Patienten erleben weniger Blendeffekte und Lichtreflexionen im Vergleich zu anderen Linsentypen.
  • Kostengünstig: In der Regel die preiswerteste Option unter den drei Linsentypen.
  • Bewährte Technologie: Langjährige klinische Erfahrung und hohe Zuverlässigkeit.

Nachteile

  • Eingeschränkter Fokusbereich: Fokussierung nur auf eine Entfernung – entweder Ferne, mittlere Distanz oder Nähe.
  • Brillenabhängigkeit: Fast immer wird für mindestens eine Entfernung (meist Nahsicht) eine Brille benötigt.
  • Monovision-Anpassung: Wenn eine Monovision-Strategie gewählt wird (ein Auge für die Ferne, eines für die Nähe), kann die Anpassung längere Zeit dauern und die Tiefenwahrnehmung beeinträchtigen.

Optische Nebenwirkungen

  • Minimal: Sehr geringe Wahrscheinlichkeit von Halos oder Glare (Blendeffekte).
  • Natürliche Nachtwahrnehmung: Beste Nachtsicht unter allen Linsentypen.
  • Kaum Einschränkungen der Sehqualität: Selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen.

EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus)

Vorteile

  • Erweiterter Fokusbereich: Bieten einen fließenden Übergang von Fern- zu mittlerer Sicht.
  • Reduzierte Brillenabhängigkeit: Für Ferne und mittlere Distanzen meist brillenfrei.
  • Gute Kontrastempfindlichkeit: Besser als bei multifokalen Linsen, wenn auch nicht so gut wie bei monofokalen Linsen.
  • Gute Nachtsicht: Weniger Beeinträchtigungen bei Nacht im Vergleich zu multifokalen Linsen.
  • Weniger empfindlich gegenüber Dezentrierung: Toleranter bei nicht perfekter Positionierung im Auge.

Nachteile

  • Eingeschränkte Nahsicht: Für Lesen und Naharbeiten kann weiterhin eine Lesebrille erforderlich sein.
  • Mittlere Kosten: Teurer als monofokale, aber oft günstiger als multifokale Linsen.
  • Technologisch neuer: Weniger Langzeitdaten verfügbar als bei monofokalen Linsen.

Optische Nebenwirkungen

  • Mäßige Halos: Leichte ringförmige Lichterscheinungen um Lichtquellen, besonders nachts.
  • Leichtes Glare: Moderate Blendempfindlichkeit möglich.
  • Reduzierte Kontrastsensitivität: Etwas verringertes Kontrastsehen im Vergleich zu monofokalen Linsen, besonders bei schwachem Licht.
  • Leichte Gewöhnungszeit: Die meisten Patienten benötigen einige Wochen, um sich an die neue Sehqualität zu gewöhnen.

Multifokale Linsen

Vorteile

  • Umfassender Sehbereich: Bieten Sehschärfe in mehreren Entfernungen – fern, mittel und nah.
  • Höchste Brillenunabhängigkeit: Ermöglichen in den meisten Situationen ein brillenfreies Leben.
  • Verschiedene Designs verfügbar: Bi-, tri- oder quadrifokale Optionen je nach individuellen Bedürfnissen.
  • Gute Nahsicht: Beste Nahsichtleistung unter allen Linsen Optionen.

Nachteile

  • Höhere Kosten: In der Regel die teuerste Option unter den drei Linsentypen.
  • Längere neuroadaptive Phase: Längere Gewöhnungszeit von mehreren Monaten kann erforderlich sein.
  • Strenge Auswahlkriterien: Nicht für alle Patienten geeignet, besonders bei bestimmten Augenerkrankungen.
  • Höhere Einschränkungen bei schlechten Lichtverhältnissen: Stärkere Beeinträchtigung der Nachtsicht.

Optische Nebenwirkungen

  • Deutliche Halos: Ausgeprägte ringförmige Lichterscheinungen um Lichtquellen, besonders nachts.
  • Starkes Glare: Erhöhte Blendungsempfindlichkeit, besonders bei Nacht und beim Autofahren.
  • Reduzierte Kontrastsensitivität: Stärkere Kontrastverringerung, besonders bei schwachen Lichtverhältnissen.
  • Wahrnehmung von Doppelbildern: In seltenen Fällen können Dysphotopsien auftreten.
  • „Waxy Vision“: Gelegentliche Wahrnehmung einer Art „wachsartigen“ Sehens.
  • Längere Adaptationszeit: Das Gehirn benötigt mehr Zeit, um die verschiedenen Bilder zu verarbeiten und zu integrieren.

Entscheidungsfaktoren für Patienten

Bei der Auswahl der passenden Linse sollten Patienten folgende Faktoren berücksichtigen:

Lebensstil und berufliche Anforderungen

  • Viel Nachtfahren: Monofokale Linsen könnten besser geeignet sein.
  • Intensive Computerarbeit: EDOF-Linsen bieten Vorteile für mittlere Distanzen.
  • Häufiges Lesen oder Naharbeit: Multifokale Linsen könnten optimal sein.

Erwartungen an die Brillenfreiheit

  • Vollständige Brillenfreiheit gewünscht: Multifokale Linsen bieten die höchste Wahrscheinlichkeit.
  • Brillenfreiheit für Alltagsaktivitäten ausreichend: EDOF-Linsen könnten eine gute Balance bieten.
  • Brille für bestimmte Tätigkeiten akzeptabel: Monofokale Linsen mit gezielter Korrektur könnten ausreichen.

Toleranz für optische Phänomene

  • Empfindlich gegenüber Halos/Glare: Monofokale Linsen sind am unproblematischsten.
  • Mäßige Toleranz: EDOF-Linsen bieten einen guten Kompromiss.
  • Hohe Anpassungsfähigkeit: Multifokale Linsen können in Betracht gezogen werden.

Augengesundheit

  • Vorerkrankungen wie Makuladegeneration, fortgeschrittenes Glaukom oder Hornhautproblemen: Monofokale Linsen sind oft die sicherste Wahl.
  • Gesunde Augen ohne Vorerkrankungen: Alle Optionen können in Betracht gezogen werden.

Weiterführende Seiten zur Katarakt-Operation

Häufig gestellte Fragen zum Linsenvergleich

Was ist der Kernunterschied zwischen monofokal, EDOF und multifokal?

Die Zahl der Brennpunkte. Eine Monofokallinse hat einen, meist für die Ferne. Eine EDOF-Linse hat einen erweiterten Schärfebereich von der Ferne bis zum Bildschirm. Eine multifokale oder trifokale Linse hat zwei bis drei feste Brennpunkte für Ferne, Zwischenbereich und Nähe.

Welche Linse liefert die beste Sehqualität?

Die schärfste Sicht mit dem höchsten Kontrast in einer Entfernung liefert die Monofokallinse. Multifokale Linsen tauschen etwas Kontrast und mögliche Halos gegen Brillenfreiheit in mehreren Entfernungen. EDOF-Linsen liegen dazwischen: breiter Schärfebereich, wenig Halos, für die Nähe manchmal eine leichte Lesebrille.

Für wen eignet sich welcher Linsentyp?

Wer nachts viel fährt oder höchste Kontrastansprüche hat, ist mit monofokal oder EDOF gut beraten. Wer im Alltag inklusive Lesen ohne Brille auskommen will, wählt eher multifokal oder trifokal. Bei Hornhautverkrümmung gibt es jeden Typ als torische Variante. Die Entscheidung fällt nach der Vermessung im Beratungsgespräch.

Lassen sich Linsentypen kombinieren?

Ja. Es ist möglich, beide Augen unterschiedlich zu versorgen, etwa mit einer EDOF-Linse und einer multifokalen Linse oder mit einer leichten Monovision. Ob und wie das sinnvoll ist, wird in der Voruntersuchung geplant, nicht pauschal entschieden.

Kostet die Wahl des Linsentyps unterschiedlich viel?

Nein. Bei EyeLaser Wien kostet jede Linsenart 3.500 € pro Auge, inklusive Operation und Nachsorge. Die Voruntersuchung kostet 200 € und wird bei einer Behandlung angerechnet; einen Aufpreis für Premiumlinsen gibt es nicht.

Was ist besser, Monofokallinsen oder Multifokallinsen?

Keine der beiden ist grundsätzlich besser, sie tauschen verschiedene Dinge gegeneinander. Die monofokale Linse bietet den höchsten Kontrast und die beste Nachtsicht, dafür brauchen Sie zum Lesen eine Brille. Die multifokale Linse macht Sie in mehreren Entfernungen weitgehend brillenfrei, dafür nehmen Sie nachts Lichtkränze um Lichtquellen in Kauf, und der Kontrast liegt etwas niedriger. Wer viel nachts fährt, ist mit einer monofokalen Linse meist besser beraten. Wer Brillenfreiheit an erste Stelle setzt, mit einer multifokalen. Voraussetzung für eine multifokale Linse ist eine gesunde Netzhaut, ein stabiler Tränenfilm und die Bereitschaft, sich einige Wochen daran zu gewöhnen.

Welche Linsen übernimmt die Krankenkasse bei Grauem Star?

Bei diagnostiziertem Grauen Star ist die Operation eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Abgedeckt ist die Versorgung mit einer Standard-Monofokallinse in einem Vertragshaus. Sonderlinsen, also torische, EDOF-, multifokale und trifokale Linsen, sowie die Behandlung beim Wahlarzt sind Privatleistung. Als Wahlarztpatient können Sie einen Teil der Kosten bei Ihrer Krankenkasse einreichen; die Rückerstattung richtet sich nach dem Kassentarif und liegt deutlich unter dem Rechnungsbetrag.

Zusammenfassung: Der richtige Weg zur Entscheidung

Die Wahl der optimalen Intraokularlinse ist eine persönliche Entscheidung, die auf einer ausführlichen Beratung mit dem Augenarzt, einer gründlichen Augenuntersuchung und einer realistischen Einschätzung der eigenen Lebensstilanforderungen basieren sollte. Patienten sollten verstehen, dass jeder Linsentyp Kompromisse mit sich bringt:

  • Monofokale Linsen: Beste Bildqualität und Kontrastsehen, aber höhere Brillenabhängigkeit.
  • EDOF-Linsen: Guter Kompromiss zwischen erweitertem Sehbereich und moderaten optischen Nebenwirkungen.
  • Multifokale Linsen: Größte Brillenunabhängigkeit, aber mit den ausgeprägtesten optischen Nebenwirkungen.

Eine offene und ehrliche Kommunikation über Erwartungen, Bedenken und mögliche Einschränkungen jeder Linsenoption ist der Schlüssel zu einer zufriedenstellenden Entscheidung und einem erfolgreichen Operationsergebnis.


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Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Dr. med. univ. Victor Derhartunian, FEBO, FWCRS, hat sein Handwerk bei Prof. Thomas Kohnen und Prof. Theo Seiler gelernt. Er leitet EyeLaser Wien, hat über 25.000 Laser-Eingriffe durchgeführt und berät auf Deutsch, Englisch, Polnisch und Französisch.

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